Mouth Tape auf dem Mund beim Schlafen — das klingt beim ersten Hören seltsam. Als das Thema vor einigen Jahren durch Bücher wie "Breath" von James Nestor und durch Influencer auf TikTok und Instagram populär wurde, habe ich mich gefragt: Ist das echter Nutzen oder nur ein weiterer Gesundheitstrend? Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, die Studien gelesen und viele Erfahrungsberichte gesammelt. Das Ergebnis war überraschend — die Wissenschaft dahinter ist solider als ich erwartet hatte.

In diesem Artikel erkläre ich dir was hinter dem Trend steckt, was die Wissenschaft dazu sagt — und ob sich der Versuch für dich lohnt.

Was ist Mouth Tape überhaupt?

Mouth Tape ist ein spezielles Klebeband das du dir vor dem Schlafen auf den Mund klebst. Das klingt unangenehm — ist es aber laut den meisten Berichten nicht. Menschen die es regelmäßig nutzen berichten dass sie es nach wenigen Nächten kaum noch merken. Das Ziel ist einfach: Mundatmung verhindern und stattdessen Nasenatmung fördern. Denn die Art wie du atmest hat einen enormen Einfluss auf die Qualität deines Schlafs — und auf deine Gesundheit insgesamt.

Mundatmung vs. Nasenatmung — warum das so wichtig ist

Die Nase ist kein zufälliges Atemwerkzeug. Sie hat eine wichtige Funktion die der Mund nicht erfüllen kann. Wenn du durch die Nase atmest wird die Luft gefiltert, befeuchtet und auf Körpertemperatur gebracht. Außerdem produziert die Nase Stickstoffmonoxid — ein Molekül das die Blutgefäße entspannt, den Blutdruck reguliert und die Sauerstoffaufnahme verbessert. Lundberg et al. (1996) zeigten dass die Sauerstoffversorgung bei Nasenatmung messbar höher ist als bei Mundatmung.

Mundatmung hingegen trocknet die Atemwege aus, filtert die Luft nicht und produziert kein Stickstoffmonoxid. Wer nachts durch den Mund atmet schläft nachweislich schlechter — auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist. Schätzungen zufolge atmen zwischen 30 und 50 Prozent der Menschen zumindest einen Teil der Nacht durch den Mund — viele wissen es nicht einmal.

Was sagt die Wissenschaft?

Die Forschung zu Mouth Tape ist noch jung — es gibt keine große randomisierte Studie die alles beantwortet. Was es gibt sind kleinere Studien und Fallberichte die interessante Ergebnisse zeigen.

Huang & Young (2015) untersuchten speziell entwickelte Mundpflaster bei 30 Patienten mit leichter Schlafapnoe. Die Teilnehmer hatten mit dem Pflaster deutlich weniger Atemaussetzer — der durchschnittliche Apnoe-Hypopnoe-Index sank von 12 auf 7,8 Ereignisse pro Stunde. Auch das subjektive Schnarchen verbesserte sich signifikant.

Lee et al. (2022) bestätigten diese Ergebnisse mit normalem Klebeband: Bei Patienten mit leichter Schlafapnoe und Mundatmung sank der Apnoe-Hypopnoe-Index von median 8,3 auf 4,7 Ereignisse pro Stunde — eine klinisch relevante Verbesserung.

Wichtig: Bei mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe zeigt Mouth Tape keine ausreichende Wirkung. Hier ist ärztliche Begleitung unbedingt notwendig.

Welche Vorteile werden berichtet?

Neben der Studienlage gibt es zahlreiche Erfahrungsberichte von Menschen die Mouth Tape regelmäßig verwenden. Die häufigsten positiven Effekte die berichtet werden sind weniger Schnarchen, ruhigerer Schlaf, frischerer Atem am Morgen, weniger trockener Mund und Rachen beim Aufwachen, das Gefühl erholt aufzuwachen und weniger nächtliches Aufwachen. Wichtig: Das sind subjektive Berichte. Nicht jeder erlebt dieselben Effekte.

Für wen ist Mouth Tape geeignet?

Mouth Tape ist grundsätzlich für gesunde Erwachsene geeignet die durch den Mund atmen und ihren Schlaf verbessern möchten. Besonders interessant ist es für Menschen die leicht schnarchen, morgens mit trockenem Mund aufwachen, das Gefühl haben nicht erholt aufzuwachen obwohl sie ausreichend schlafen, und für alle die Nasenatmung bewusst trainieren möchten.

Für wen ist Mouth Tape nicht geeignet?

Das ist wichtig: Mouth Tape ist nicht für jeden geeignet. Du solltest es nicht verwenden wenn du eine verstopfte Nase hast oder unter Erkältung leidest, wenn du an schwerer Schlafapnoe leidest ohne ärztliche Abklärung, wenn du unter Angstzuständen leidest die durch das Klebeband verstärkt werden könnten, und wenn du Alkohol getrunken hast oder Schlafmittel nimmst. Bei Unsicherheit immer zuerst mit einem Arzt sprechen.

Welches Mouth Tape sollte man verwenden?

Nicht jedes Klebeband ist geeignet. Verwende niemals normales Klebeband oder Pflaster — die sind zu stark und können die Haut reizen. Spezielles Mouth Tape für den Schlaf ist hautfreundlich, lässt sich leicht ablösen und hält trotzdem die ganze Nacht. Alternativ funktioniert auch medizinisches Micropore-Klebeband das du in jeder Apotheke bekommst — günstig und gut verträglich. Einfach ein kleines Stück horizontal auf die Lippen kleben reicht vollkommen aus.

Mein Fazit nach der Recherche

Mouth Tape ist kein Wundermittel. Aber die Grundlage — Nasenatmung ist gesünder als Mundatmung — ist wissenschaftlich solide belegt. Wenn du morgens mit trockenem Mund aufwachst oder leicht schnarchst ist es einen Versuch wert. Es ist günstig, risikoarm und einfach auszuprobieren. Und wenn es nicht hilft? Du hast nichts verloren außer ein bisschen Klebeband.

Quellen

Huang, T.W. & Young, T.H. (2015): Novel porous oral patches for patients with mild obstructive sleep apnea and mouth breathing: A pilot study. Otolaryngology Head and Neck Surgery. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25450408/

Lee, Y.C. et al. (2022): The impact of mouth-taping in mouth-breathers with mild obstructive sleep apnea: a preliminary study. Healthcare. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36141367/

Lundberg, J.O. et al. (1996): Inhalation of nasally derived nitric oxide modulates pulmonary function in humans. Acta Physiologica Scandinavica. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8971255/

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